Gut statt Viel
Jahr
2009
Projektart
Zeitschriftenbeitrag

Veröffentlichung in
Kunst und Kirche, Ausgabe 04/2009 „Heiße Luft im Garten Eden“

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Holzwerkstatt Faißt, Hittisau

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Auszüge aus unserem Artikel über die Holzwerkstatt Faißt in Hittisau im Bregenzerwald:
„Erst nach mehreren Jahren, in denen das Holz langsam an der Luft trocknen konnte, beginnt die Weiterverarbeitung. Das Arbeiten mit massivem Holz und den entsprechenden traditionellen Verbindungstechniken, ohne Leim oder Lackierungen, erfordert höchste Sorgfalt. Den Eigenarten des einzelnen Stammes muss Beachtung geschenkt werden, Maserungen sind zu einem stimmigen Gesamtbild zu komponieren.
(…)
Bei der Arbeit im Wald, so Faißt, stelle sich für ihn immer wieder ganz konkret die Aufgabe, in Beziehungen zu denken und die Frage zu stellen: „Was macht Sinn für das Ganze?“ Ein zunächst vollkommen selbstverständlich erscheinender Gedanke, der jedoch in weiten Teilen der Gesellschaft nicht zu gelten scheint: So beruhte die Wachstumsphilosophie der industrialisierten Länder bislang doch vor allem auf der Existenz eines „Außen“, dessen Ressourcen bedenkenlos für die eigene Wohlstandsmehrung verwendet werden können.
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Markus Faißt legt Wert darauf, dass seine Möbel keine exklusiven Luxusgüter, sondern für einen Großteil der Menschen in der Region leistbar sind. Er warnt aber auch davor, allzu kurzsichtige wirtschaftliche Berechnungen anzustellen: Zunächst teurere Produkte, die aber langlebig und wertbeständig sind und nicht zuletzt zur Erhaltung des Planeten beitragen, können in der Gesamtsicht deutlich günstiger sein. Nicht selten komme es vor, dass ihm Möbel aus seiner Werkstatt etliche Jahre später wieder begegnen, wenn der neue Besitzer eine kleine Reparatur oder Aufarbeitung wünscht. Dann wird der Wert deutlich, den diese Stücke über die Zeit bewahren.
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Der Gedanke, viel Zeit und Mühe in wenige, ausgewählte Dinge zu investieren, zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeit der Holzwerkstatt. Markus Faißt hat sich eingehend mit der Frage befasst, was man wirklich zum Leben braucht und ist sich sehr bewusst, dass man die Frage nach zukünftigem Verzicht auch genauso gut umkehren kann: Worauf verzichten wir heute schon?
(…)
Markus Faißt plädiert mit seiner Holzwerkstatt dafür, den Moraldiskurs um nachhaltiges Handeln in einen radikalen Qualitätsdiskurs umzuwandeln. Im Mittelpunkt müsste dann die Frage stehen: „Was bekommt mir und dem Leben gut?“ Eine seiner Antworten darauf sind Möbel, die das Ideal des „guten Gebrauchs“ verfolgen. (…) Er spricht in diesem Zusammenhang von „Alltagskulturgütern“, deren Qualität nichts mit Luxus zu tun hat, sondern mit einer sensiblen Wertschätzung alltäglicher Verrichtungen.“
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